Was ist Astrologie ?

 

Die Sterne zwingen nicht,  sie machen nur geneigt

Wie  die Landkarte nur die Wege aufzeigt so wir bestimmen den Weg. Wir können uns rein technisch mit dem astrologischen System auseinandersetzen, also die Landkarte studieren, ohne uns selbst Fragen über unseren Lebensweg zu machen, oder wir können uns aktiv einbringen, in den Spiegel schauen, Fragen entstehen lassen. So kann das System lebendig und kreativ werden. Astrologie kann etwas aussagen über die Energiemuster von Körper, Geist und Seele, ersetzt aber keinen inneren Weg, persönliche Auseinandersetzung oder Spiritualität. Persönliche Auseinandersetzung ist immer Schwerarbeit und nicht immer angenehm.

 

Die Macht der Bilder 

Jede Nacht steigen wir in die Tiefen der Seele hinab, wo im Traum Zeit und Raum überwunden werden, und wo Rationalität jeden Wert verliert. Diese machtvollen archaischen Bilder sprechen seit Jahrtausenden zu uns wenn wir träumen. Symbole sind kollektive Bilder die aus unserer Seele aufsteigen und die sich an emotional erlernten Muster anklinken. Eine Spinne zum Beispiel löst ein ganz bestimmtes Gefühl in uns aus, ein rotes Herz ein ganz anderes. Wir assoziieren sofort mit Gruseln oder Liebe. Die Bibel spricht zu uns in Gleichnissen und Metaphern. Auch Märchen vermitteln die tiefen Weisheiten durch Symbole. Die Hexe steht für die magische, böse und negative Seite des Unbewussten, sie ist die Schöpfung unserer Wünsche und Ängste. Die Hexe symbolisiert die Tiefenkräfte der Seele, die dunkle Seite im Menschen, die uns oft fasziniert. Schlüssel sind Instrumente der Macht, weil sie ihrem Besitzer ermöglichen zu verschliessen, wie auch Zugang zu erlangen. Sie sind ein Mittel, Unbekanntes zu erschliessen. Das Kopfhaar ist in Märchen, Traum und Mythos ein beliebtes Symbol für die Kraft der Gedanken, Vorstellungen und Phantasien, die genau wie das Haar aus dem Haupte hervorspriessen. Auch die Buchstaben, die Träger der Kommunikation sind Symbole, welche wir täglich encodieren und so nutzen. Selbst Gegenstände sind Symbole: Eine Schale z. B. symbolisiert Leere, Aufnahmebereitschaft und ist damit ein Symbol des Weiblichen. Ein Symbol ist ein Sinn-Bild, also ein Bild welches eine verschlüsselte Botschaft transportiert, die es aufzuschlüsseln gilt. Welche Kraft Symbole haben sehen wir beim hissen der Siegerflagge und der Nationalhymne bei Sportwettkämpfen. Ein Kopftuch lässt ganze Gesellschaften spalten und ein Hakenkreuz steht für eines der dunkelsten Kapitel der Menschheit überhaupt. Symbole geben Raum für Interpretationen, welche wiederum mit dem jeweiligen soziokulturellen Hintergrund zusammenhängen. So werden Symbole mitunter kulturell unterschiedlich interpretiert. Das ist ein Grund, weshalb beispielsweise der westliche Mensch den Orientalen nicht versteht und umgekehrt.Buchstaben sind nichts anderes als Symbole für einen Laut, und jedermann kann nach dem Studium dieser Symbole einen Satz lesen, und versuchen, seinen Inhalt zu verstehen. Die Astrologie ist eben ein solches System von Symbolen, zu dessen Verständnis man den Code lesen lernen muss, um ihn verstehen zu können. Durch die Deutung des Horoskops ist es möglich, die Anlagen eines Menschen in Bezug auf Körper, Seele und Geist zu erkennen. Astrologie ersetzt einen inneren Weg nicht, kann aber ein Schlüssel, eine Landkarte sein auf der Suche nach dem eigenen Wesen, der inneren Sonne.

 

Astrologische Symbolik in den heiligen Schriften
In der Astrologie begegnen uns die Symbole in den Planeten, Sternzeichen und Häusern. In den letzten hundert Jahren vor der Geburt Christi war das heute gebräuchliche Horoskopsystem vollendet. Verschiedene in Keilschrift verfaßte Horoskope sind aufgefunden worden. Die meisten stammen aus hellenistischer Zeit, doch das älteste ist auf den 29. April 410 v. Chr. zu datieren. Das war in der ägyptisch – griechischen Übergangszeit. Im Altertum glaubte man, dass Planeten und Sterne mit den Göttern zusammenhingen. Die gesamte griechische Mythologie ist an den Sternenhimmel gezeichnet. Astrologie war neben Medizin, Musik und Geometrie die wichtigste Wissenschaft. Das astrologische System hat sich im Westen parallel zum Christentum ausgeweitet. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Moses um 1300 v. Chr. am ägyptischen Königshof aufgewachsen ist und in allen Wissenschaften und spirituellen Lehren unterwiesen und eingeweiht wurde. Dabei spielte die Astrologie eine tragende Rolle. Moses war der mündliche Übermittler der Tora, der hebräischen Bibel. Diese fünf  Bücher Moses wurden als Pentateuch zum alten Testament in der Bibel der Christen. Die heilige Schrift des Christentums, welche aus den kabbalistischen Schriften der Juden entstanden ist und deren Weisheit wiederum von den eingeweihten Ägyptern überliefert wurde ist voll mit astrologischen Texten und Hinweisen: Der Prophet Daniel war wohl Astrologe: "Daniel verstand sich auf Visionen und Träume aller Art", Dan 1,17. König Belschazzar ließ zur Schriftdeutung die Wahrsager, Chaldäer und Astrologen holen. Dan 5,7. König Nebukadnezzar, Belschazzars Vater, hatte Daniel zum Obersten der Zeichendeuter, Wahrsager, Chaldäer und Astrologen ernannt. Dann 5,11.: Die sogenannten Heiligen Drei Könige waren Weisen aus dem Morgenland und Sterndeuter (Mt 2,1-12). Die vier Evangelisten werden als die vier fixen astrologischen Zeichen dargestellt. Matthäus als Engel, der dem Luftzeichen Wassermann entspricht, Markus als Feuerzeichen Löwe, Lukas wird als das Erdzeichen Stier dargestellt und Johannes als Adler. Der Adler ist der erlöste Skorpion und ein Wasserzeichen. Die 12 Jünger entsprechen den 12 Sternzeichen. Die ersten Renaissance- Päpste, die sich noch intensiv mit der Astrologie beschäftigten zogen gar ganze Schwärme von Astrologen an. Der erste Papst der Gegenreformation, Paul III. (1468 bis 1549), holte sich den Rat der Astrologen ein, um die Stunden seiner Kirchengerichte zu datieren. Mit dem Aufkommen des Buchdruckes gelangten die astrologischen Schriften, darunter der volkstümliche „Kalender and Compost of Shepherds“ unter das Volk. Ein Almanach besonders für das bäuerliche Publikum. Ähnlich dem heute noch populären Bauernkalender wurden darin Zeiten für Aussaat und Ernte, Hochzeiten und Reisen anhand der Beobachtung von Himmelskörpern bestimmt. Die Astrologie wurde bis ins 17.Jh. hinein immer populärer und war als Wissenschaft anerkannt. Es ist die Aufklärung mit ihrer zunehmenden Einsicht in naturwissenschaftliche Zusammenhänge, die die Astrologie in den Hintergrund drängt. Der Mensch fühlt sich dem Wirken von Naturmächten immer weniger hilflos ausgeliefert, der Schicksalsglaube verliert an Boden, und mit ihm die Astrologie. Bald werden Astrologie und Aberglaube Wechselbegriffe.

 

Astrologie heute
Die moderne Gesellschaft hat die Astrologie auf ein paar wenige Klischees reduziert. „Typisch Fische, typisch Steinbock“ und so weiter. Was übrig bleibt ist eine Primitivastrologie, welche über das Niveau der Illustriertenpresse, d.h. einen Unterhaltungs- und Belustigungswert, nicht hinausgeht. Dahinter steht das Unvermögen, sich auf eine Symbol – und Bildersprache einzulassen, welche der Seele des Menschen entspringt. Diese Bilder und Symbole sind nicht mit den modernen wissenschaftlichen Methoden messbar und beweisbar. Und gerade deshalb wird die Astrologie von der Wissenschaft belächelt oder als Humbug abgetan. Für die Wissenschaft ist die Astrologie nicht beweisbar und deshalb unbrauchbar. Gleichzeitig wurde Astrologie zu einer Glaubenssache stilisiert. Astrologie ist so wenig eine Religion wie das Periodensystem der Elemente oder der Satz des Pythagoras, und ich kann an sie genau so wenig glauben, wie an die Luft die ich einatme. Im astrologischen System, wie auch im Symbolismus der Zahlen oder der Musik liegt lediglich ein Schlüssel, die Geheimnisse der Schöpfung zu ergründen. Die Systeme dürfen aber nicht mit dem Schöpfer selbst verwechselt werden. Astrologie ist keine Religion und sie ersetzt auch keine spirituelle Arbeit. Im antiken Sinne ist Astrologie ein wissenschaftliches System um zur Ganzheit, zur Wahrheit zu gelangen.

 

Das Horoskop
Das Horoskop ist eine Zeichnung, eine Momentaufnahme der kosmischen Konstellation zur exakten Geburtszeit über dem Geburtsort. Die Sterne sind nicht die Ursache für die Geburt. Die Geburt erfolgt analog des energetischen kosmischen Musters. Die 12 Sternbilder, welche auf der Äquatorebene unseres Sonnensystemes liegen wurden zu den 12 Sternzeichen oder dem sogenannten Tierkreis. Er beinhaltet die Idee, den Plan des Menschen. So wie ein Prisma das weisse Licht in die Spektralfarben aufteilt transformiert die Sonne die galaktische Energie hinunter auf die Planetenebene unseres Sonnensystems. Wir können uns das Universum auch als Sphärenharmonie oder als die kosmische Oktave vorstellen die sich auf der Planetenebene als Teiltöne der Tonleiter offenbart. Der Mensch wird unter einem bestimmten Schwingungsfeld geboren und reflektiert diese Teiltöne als Konsonanzen und Dissonanzen. Jeder Mensch ist ein eigenes Musikstück. Wenn die Galaxie die Ganzheit, das weisse Licht verkörpert oder die kosmische Oktave, verkörpern die Planeten die einzelnen Farbspektren oder Teiltöne. Die Planeten sind die Schauspieler, welche die Energie wiederum auf die Ebene der Erde vermitteln. Auf unserer Erde erleben wir die Veränderungen im Sonnensystem andauernd als wechselnde Energiefelder. Hier verdichtet sich die feinstoffliche Energie zur Materie, hier ist Handlung angesagt. Unser Sternzeichen zeigt uns, durch welches Tor (Sternzeichen ) wir aus dem Kosmos herausgefallen sind. Durch Geburtsort und Geburtszeit und der Eigenrotation der Erde ergibt sich das sogenannte astrologische Häusersystem, dessen Ausgangspunkt der Aszendent bildet. Er wiederum zeigt uns, durch welches Tor wir in die Welt eingetreten sind. Für jeden Menschen ergibt sich so eine einzigartige Konstellation, ein einzigartiger „kosmischer Fingerabdruck“. Die Energiemuster von Körper, Seele und Geist sind in der Geburtskonstellation abgebildet. Wie oben so unten. So wie die Uhr nicht die Zeit bewirkt, so "beeinflussen" die Gestirne nicht unser Geschehen. Die Sterne zwingen nicht, sie sind nur ein Spiegel unseres Energiemusters. Sie nehmen uns nicht die Verantwortung für unsere Entscheidungen und Taten ab, der Mensch selbst entscheidet und formt sein Leben. Allzu oft wird Astrologie dazu missbraucht, etwas im Nachhinein zu rechtfertigen. „Ja klar, der Saturn stand in Konjunktion zu Mars, darum war ich so energielos in letzter Zeit. „ Es bringt auch keinen Nutzen, wenn der astrologische Berater dem Klienten Sensationen auftischt und ihm erklärt, warum er in nächster Zeit mit heftigen Schwierigkeiten rechnen muss. Die Verantwortung des Beraters in einem vertraulichen Gespräch ist gross und darf unter keinen Umständen zu Machtzwecken missbraucht werden. Im Zentrum des Gespräches steht der Mensch und nicht das Horoskop, dies ist vielleicht der wichtigste Grundsatz. Das Horoskop ist dabei die Inspirationsquelle um die richtige Frage im richtigen Moment zu stellen. Es ist nicht das Ziel Antworten zu geben, diese muss der Klient selbst finden. Die Aufgabe des Beraters ist es, die richtigen Fragen aufzuwerfen und damit einen Prozess in Gang zu setzen.

 

Astrologische Prognose und Karmaastrologie
Ein Grund für den Zerfall der seriösen Astrologie sind Jahresvorhersagen z.B. in illustrierten Zeitschriften und prognostizierte Sensationen. Ein absurdes Beispiel war der Sohn von Nostradamus im späten 16. Jahrhundert, der einen Brand gelegt haben soll, um die eigene Voraussage zu bewahrheitet. Er wurde hingerichtet. Zum Jahreswechsel feiern moderne „Hofastrologen“ Hochkonjunktur. Einen grossen Anteil am schlechten Image haben aber auch die falschen Astrologie- Propheten und Stimmungsmacher und die Esoterik-Softiewelle trägt ihren Teil dazu bei. Mit der Astrologie lässt sich zwar voraussagen, welche Lebensbereiche und Lebensthemen aktiviert werden und welchen Grundenergien sie ausgesetzt sind. Wie diese Energien aber umgesetzt werden, kann nur reine Spekulation sein, denn der Mensch bestimmt selbst den Weg. Angenommen ich sehe bei einem Promi eine starke disharmonische Pluto - oder Skorpionqualität für das nächste Jahr voraus. Nun kann ich dem Horoskopeigner eine Todesvoraussage machen, da Plutoenergie und Skorpion mit Wandlungsprozessen einhergehen und der körperliche Tod die krasseste Form davon ist. Alle Gegner der Astrologie werden wie Geier warten auf meine Fehlvoraussage und sie werden in den meisten Fällen ihre Nahrung erhalten, wenn der Promi überlebt. Als Astrologe bin ich bei nicht eintreffenden Sensationen geliefert und der Astrologie wurde einmal mehr Schaden zugefügt. Der Promi hat aber vielleicht eine Scheidung durchgemacht oder ein burnout und musste den Beruf wechseln. Vielleicht ist er ein Tierfreund und seine Katze ist gestorben. All dies sind Formen von Wandlungsenergien und damit Pluto/Skorpion unterworfen, sie manifestieren sich aber auf einer anderen Ebene. Die Astrologie muss aufhören, sich der „anerkannten“ Wissenschaft und der von ihr durchdrungenen Gesellschaft beweisen zu wollen. Die Wissenschaft hat immer die besseren Argumente. Es ist gerade die Qualität der Astrologie, dass es keine Ursache-Wirkung –Erklärungen für analoge Phänomene gibt. Genau so gut könnte man einem gläubigen Wissenschaftler vorwerfen, er habe noch keinen wissenschaftlichen Beweis für Gott gefunden und trotzdem geht er in die Kirche. Wie soll man denn überhaupt von Ursache und Wirkung sprechen, wenn nicht einmal eine Ahnung vorhanden ist, woher Zeit und Raum kommen.  

Jürg Kindle